Erlebnisberichte

 

Neuer Job — neues Leben

Vier Interviews mit ehemaligen Programm-Teilnehmerinnen

Wie war der Alltag vor dem Eintritt ins Förderprogramm der Marktlücke — und wie sieht er jetzt aus, nach einiger Zeit im regulären Arbeitsmarkt? Das haben wir 2016 und 2021 je zwei ehemalige Mitarbeiterinnen gefragt, die über das Bewerbungscoaching der Marktlücke eine Stelle gefunden haben.
Die Antworten erzählen von den spezifischen Schwierigkeiten von Müttern im Arbeitsmarkt, zeigen aber auch, wie motiviert und zielgerichtet sie sich für sich und ihre Kinder einsetzen und wie integrativ Arbeit sein kann für das ganze Umfeld einer Person.

 

Interview mit Anna

 

Anna hat zuerst in der Marktlücke-Werkstatt gearbeitet. Dann, weil ihr das Schöpfen des Menu`s, das sie für unser Kochbuch aus ihrem Heimatland Polen mitgebracht hat, so gut gefiel, hat sie die Küche unseres Restaurants gewechselt. Dort arbeitet sie bis heute, inzwischen als regulär angestellte Aushilfe, jeden Montag und wenn Not an der Frau ist. Anna ist 48 Jahre alt und hat drei Kinder im Alter von 22, 21 und 12 Jahren. 

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Magst du kurz beschreiben, wie es dir ging, als du 2016 in der Marktlücke angefangen hast?

Als ich hier angefangen habe, ging es mir nicht so gut, ich war davor lange zuhause, u. A. wegen familiären Problemen.
Dann erhielt ich Sozialhilfe und habe dort gefragt, was ich machen kann. Nur zuhause sitzen, tat mir nicht gut und ich wollte etwas versuchen.  Die Sozialarbeiterin hatte die Idee, mich bei der Marklücke anzumelden.

Als ich zum ersten Mal in die Werkstatt der Marktlücke kam, hatte ich einfach ein gutes Gefühl und ich habe gemerkt, dass mir die Vorstellung, hier zu arbeiten keinen Druck macht. Ich habe gesehen, was die Frauen hier machen und dann habe ich mich entschieden, es zu wagen. Etwas zu probieren ist immer gut.

 

Woran erinnerst du dich gerne?

Am ersten Tag ist mir vor allem die gute Atmosphäre aufgefallen.
Wenn mir eine Arbeit gezeigt wurde, dachte ich zuerst immer, dass ich das nicht lernen kann, dann habe ich einfach probiert und habe erstaunt gemerkt: ich kann das! Das hat mich motiviert. Obwohl ich z.B. zuvor noch nie mit einer Nähmaschine genäht habe, habe ich auch das gelernt und das kann ich jetzt, ich nähe immer noch. (siehe weiter unten im Interview)

 

Was war schwierig für dich?

Es war nicht schwierig hier, nein, mir hat absolut alles gefallen, das Arbeiten mit Metall, Papier und Stoff. Das Einzige was schwierig war: die anderen Frauen haben miteinander gesprochen, ich hingegen war nicht so offen, ich bin eher ein ruhiger Mensch. Später, als ich hörte, was die Frauen aus ihrem Leben erzählen, realisierte ich; ich bin nicht allein. Ich habe dann angefangen, auch von mir zu erzählen und habe gemerkt, dass mir das hilft, ich musste nicht mehr alles verstecken.
Auch das Turnen mit Ruth zweimal pro Woche tat mir gut, das hat mir richtig gefallen.

 

Was war das Wichtigste, das du gelernt hast in der Marktlücke?

Die Unterstützung und die Motivation vom Marktlücke-Team haben mir enorm geholfen. Das Team hat mir immer wieder Mut gemacht, an mich geglaubt und mir zugesprochen «du schaffst das».  Ich habe erfahren, dass, wenn ich den Mut habe, etwas zu probieren, es meist klappt – und wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Ich habe gelernt, dass es normal ist, Fehler zu machen, niemand ist perfekt und dank Fehlern lernt man immer wieder, wie man etwas besser machen kann. Es tat mir gut, darüber zu sprechen.

 

Was könnten wir besser machen, was hat dir gefehlt?

Auf diese Frage kann ich nur Gutes sagen. Für Frauen, die Probleme haben, eine Arbeit suchen, oder wenn wir lange mit den Kindern zuhause waren, dann ist die ML der beste Ort. Das Team der Marktlücke arbeitet mit Herz und unterstützt und hilft allen Programmteilnehmerinnen.

 

Du hast jetzt eine Stelle in einem Hort. Wie hast du diese Stelle gefunden?

Ich habe im Bewerbungscoaching der Marktlücke einige Bewerbungen geschrieben. Ich hatte ja zuerst in der Werkstatt gearbeitet und später im Restaurant und da wollte ich auch weiterhin arbeiten, ich wollte nicht ganz weg von der Marktlücke. Gleichzeitig war ich unsicher, ob es dann nicht zu viel ist, zeitgleich in zwei Jobs zu arbeiten.
Beim Schnuppern im Hort merkte ich, dass es vielleicht machbar ist, wenn ich es Schritt für Schritt angehe. Aus Erfahrung weiss ich; zu viel Druck geht nicht für mich.

 

Was gefällt dir am besten an dieser Arbeit?

Mir gefällt es, auf die Kinder einzugehen. Meine spezielle Aufgabe, nämlich dass ich zuständig bin, für die Unverträglichkeiten, gefällt mir auch sehr.

Bald kann ich sogar noch die Verantwortung für den Morgentisch übernehmen. Dies machte ich schon als Ferienvertretung und da merkte ich, dass das geht und das freut mich sehr. Vor ein paar Jahren war es schwierig für mich, andere Menschen anzusprechen oder zu telefonieren — und jetzt spreche ich am Telefon mit Eltern und ich merke, dass ich keine Angst mehr habe. Das motiviert mich, weiter zu machen, weiter neue Erfahrungen zu sammeln.

 

Wie organisierst du dich mit der Kinderbetreuung?

Im Hort arbeite ich zwei ganze Tage bis 16:30 und am Montag in der Küche der Marktlücke und manchmal arbeite ich am Wochenende in einer Ballettschule. Dort bin ich Nähassistentin für die Kostüme und betreue die Kinder.
Meine zwei Söhne sind schon selbständig, meine Tochter ist 12  Jahre alt. Ich habe gemerkt, wenn ich die Kinder machen lasse, werden sie selbständig. Meine Tochter kocht sich selber etwas fürs Mittagessen und ist in Randzeiten alleine zuhause. Sie ist sehr verantwortungsvoll, ich kann mich auf sie verlassen.

 

Was hilft dir am meisten in deinem Job, von dem, was du in der Marktlücke gelernt hast?

Es ist für mich ein grosser Vorteil, dass ich immer parallel in der Küche der Marktlücke gearbeitet habe (und immer noch arbeite). So konnte ich von der Arbeit im Hort erzählen und das Marktlücke-Team und die anderen TN fragen, wie ich es machen könnte, das hilft mir sehr. Ich werde hier nach wie vor sehr unterstützt und motiviert.

Auch punkto Sauberkeit, Hygiene, oder der Umgang mit Lebensmitteln habe ich viel gelernt, was mir bei der Arbeit im Hort hilft.

 

Was wünschst du deinen Kindern für ihre Zukunft?

Ich wünsche ihnen das Beste, vor allem Gesundheit und im Leben viel Freude und Erfolg. Ich motoviere meine Kinder und die Kinder motivieren auch mich, sie sind stolz auf mich. Sie müssen sich inzwischen keine Sorgen mehr machen um mich. Gespräche mit den Kindern sind mir sehr wichtig.

 

Wie zufrieden bist du mit deinem Leben heute, auf einer Skala von 0-10?

Ich bin sehr zufrieden und ich bin sehr motiviert! Ich will einfach mehr lernen und mehr Erfahrungen sammeln. Ich lese auch viele Bücher. Also ich würde sagen ungefähr bei 8.

 

Hast du einen Traum?

Träume zu haben ist wichtig. Träume können wahr werden, wenn ich den Mut habe, den Träumen zu folgen, sie kommen nicht von alleine zu mir.
Die Erfolgserlebnisse haben mich ermutigt. Jetzt bin ich stark, ich weiss, ich kann es schaffen und wenn es nicht klappt, ist es auch nicht so schlimm. Bis jetzt hat alles geklappt, was ich versucht habe. Egal welche Probleme wir haben, ich versuche, Lösungen zu suchen, nicht nur im Zimmer zu sitzen und zu warten.
Ich habe soviel geschafft! (strahlt)

Für mich war es die beste Entscheidung, hierher zu kommen.

 

Interview mit Yodith

 

Yodith ist in Äthiopien aufgewachsen und lebt seit vielen Jahren in der Schweiz. Sie ist 42 Jahre alt und hat Zwillinge. Yodith ist ausgebildete Servicefachfrau und brachte schon sehr viel Arbeitserfahrung mit.

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Magst du kurz beschreiben, wie es dir ging, als du 2016 in der Marktlücke angefangen hast?

Es ging mir gut. Ich hatte davor in einem A-la-Carte-Restaurant gearbeitet. Ich konnte in der Schweiz eine Ausbildung zur Servicefachfrau absolvieren und hatte also schon viel Erfahrung im Service. Wegen meiner Lebenssituation, als alleinerziehende Mutter von Zwillingen, musste ich aufhören zu arbeiten.
Ich habe dann im Holzbereich der Basisbeschäftigung* gearbeitet und dort haben sie mir die Marktlücke empfohlen. *eine Arbeitsintegrations-Abklärung der Stadt Zürich

Ich habe von 2016 bis 2018 im Restaurant Kantine Hermetschloo gearbeitet. Es hat mir hier von Anfang an sehr gefallen, obwohl die Arbeit ganz anders war, als in einem A-la-carte-Restaurant.

 

Woran erinnerst du dich gerne?

Ich habe an die Marktlücke nur gute Erinnerungen, vor allem das Arbeitsklima war sehr gut, alle waren hilfsbereit und hatten viel Nerven, obwohl wir alle schlechtes Deutsch sprachen.


Was war schwierig für dich?

Schwierig war für mich, dass ich nicht an Abendanlässen der Kantine mitarbeiten konnte wegen meinen Zwillingen.


Was war das Wichtigste, das du gelernt hast in der Marktlücke?

Ich habe immer wieder etwas gelernt. Vor allem die Sprache: ich habe es geschätzt, dass ich während der Arbeit gefördert wurde, Deutsch zu sprechen. Es gab viele Gespräche mit allen vom Team.
Und im Service habe ich gelernt, wie man ein Menu schön auf dem Teller anrichtet und das Salatbuffet vorzubereiten, so etwas hatte ich vorher noch nie gemacht.


Was könnten wir besser machen, was hat dir gefehlt?

Ich habe mir Einiges notiert, ich schaue kurz nach: was mich ein bisschen gestört hat, ist, dass hier alle irgendwelche Kleider tragen zum servieren. Ich fände es schön, wenn alle eine weisse oder schwarze Bluse oder ein T-Shirt , dunkle Hosen und dunkle Schuhe tragen würden. Die Oberteile müssten auf jeden Fall Ärmel haben, wir kommen ja den Gästen recht nahe, wenn wir die Teller abräumen oder den Kaffee bringen.
Das ist mein einziger Kritikpunkt.

Ich werde das im Team vorschlagen! (red. Anmerkung: dies wird inzwischen umgesetzt)


Du hast jetzt eine Stelle im Bellavista, einem Restaurant, das zur ETH Zürich gehört und vom zfv betrieben wird. Wie hast du diese Stelle gefunden?

Diese Stelle habe ich über euch gefunden. Ich war im Bewerbungscoaching bei Ruth und Christina. Das hat mir sehr gefallen. Nicht nur sich zu bewerben, sondern auch zu lernen, wie man eine Bewerbung schreibt und wie ich mich auf ein Bewerbungsgespräch vorbereiten kann. Ich habe mit Ruth meinen Lebenslauf aktualisiert und mich für verschiedene Stellen beworben. Das Vorstellungsgespräch bei dem zfv hat super geklappt.
Ich war sehr dankbar für die Tipps zur Vorbereitung des Vorstellungsgesprächs.

Wieviel arbeitest du im Bellavista?
Ich bin im Stundenlohn angestellt, es sind ca. 60-80% im Monat.


Was gefällt dir am besten an dieser Arbeit?

Dass ich mit sehr verschiedenen Menschen kommunizieren kann, immer wieder etwas lernen kann über Lebensmittel, Gewürze und wie man verkaufen kann.

Kommen vor allem Student*innen dort zum Essen?
Es ist ein öffentliches Restaurant und deshalb kommen viele verschiedene Leute. Von der ETH kommen vor allem Professor*innen. 

Musst du dort servieren oder ist es Selbstbedienung?
Wir müssen die Menukarte an den Tisch bringen, das Menu erklären, und auch passende Weine empfehlen.


Was hilft dir am meisten in deinem Job, von dem, was du in der Marktlücke gelernt hast?

Z.B. die Menu-Besprechungen, die wir jeden Morgen gemacht haben, brachten mir viel. Da habe ich viele Wörter und Lebensmittel kennen gelernt. Das kann ich jetzt gut gebrauchen, wenn ich den Gästen das Menu erklären muss.


Wie zufrieden bist du mit deinem Leben heute, auf einer Skala von 0-10?

Ich würde sagen bei 8.


Hast du einen Traum?

Ja, ich habe einen Traum. Zuerst möchte ich schauen, dass es den Kindern gut geht.  Wenn sie dann selbständiger sind, möchte sich mich beruflich weiterentwickeln, z.B. zum Chef de Service weiterbilden, oder noch einen anderen Beruf lernen, weil ich denke, wenn ich älter werde, wird es schwieriger sein, im Gastgewerbe einen Job zu finden.

Vorläufig bleibst du aber noch im Bellavista?
Ja, auf jeden Fall, aber ich möchte, wenn möglich, das Pensum erhöhen.

 

Du hast keine Sozialhilfe mehr?
Fast keine mehr! :-)
 

Wie organisierst du dich mit der Kinderbetreuung?

Sie sind im Hort und eine Frau, die ich über die Nachbarschaftshilfe gefunden habe, schaut zu den Kindern, wenn ich länger arbeiten muss. 
 

Was wünschst du deinen Kindern für ihre Zukunft?

Ich wünsche mir, dass sie gut in der Schule werden, dass sie eine Lehre bekommen, eine gute Ausbildung machen können, das ist mir am wichtigsten.


Hast du noch eine Frage?

Hm,  ich bin sehr dankbar für die Zeit in der Marktlücke. Allen vom Team
wünsche ich Gesundheit und dass sie so bleiben, wie sie sind.

Ich fühlte mich da, wie soll ich sagen, ein bisschen wie zuhause.

 

 

 


    

 


 

Interview mit Svetlana


Svetlana hat zwei Kinder im Alter von 12 und 17 Jahren und ist verheiratet. Sie hat keine Ausbildung absolviert. Wegen allergischen Reaktionen konnte sie nicht mehr in ihrem ursprünglichen Job in der Reinigung arbeiten. Sie war eine hervorragende Mitarbeiterin in der Produktionswerkstatt der Marktlücke, hat aber ihre gute Arbeitsqualität oft angezweifelt und sich vieles nicht zugetraut. Heute arbeitet Svetlana zur vollsten Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten in einer Metallbearbeitungsfirma.

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Wie war ein normaler Tag in deinem Leben, bevor du in die Marktlücke gekommen bist?
Svetlana: Fast jeder Tag war gleich. Ich stand auf, habe beide Kinder in die Schule gebracht, ich habe gekocht, geputzt, gewaschen und alle Dinge vom Haushalt erledigt. Nach dem Abendessen habe ich vor der Tür gewartet bis mein Mann nach Hause kam und dann ging ich in der Reinigung arbeiten. Ich wollte nicht, dass meine Kinder in den Hort gehen müssen. Am Wochenende hatte ich normalerweise frei.
Später habe ich während zwei Jahren in der Reinigung des Hallenbad City gearbeitet bis dieses wegen Renovationsarbeiten geschlossen wurde. Danach war ich 5 Jahre zu Hause, ohne eine neue Stelle zu finden. Das war eine sehr, sehr schwierige Zeit. Da mein Deutsch nicht so gut war und ich nicht so viel Arbeitserfahrung hatte, war es sehr schwierig eine Stelle zu finden.  
 
Dann bist du in die Marktlücke gekommen...
Davor war ich einen Monat in der Basisbeschäftigung und habe mit Holz gearbeitet, dort habe ich mit einer Frau gesprochen um zu klären, wie es weiter gehen kann. Sie hat mir die Marktlücke vorgeschlagen. In der Marktlücke war ich sehr zufrieden und habe viel gelernt. Ich war etwa zwei Jahre da.
 
Was hast du in der Marktlücke gelernt?
Es hat mir gut getan mit verschiedenen Menschen zu tun zu haben, mit verschiedenen Charakteren und Sprachen, denn das habe ich jetzt bei meiner Stelle auch. Das Deutsch sprechen bei der Arbeit hat mir auch sehr geholfen.
 
Hast du auch neue Ideen bekommen, welche Arten von Arbeiten dich interessieren könnten?
Ja, ich habe in der Marktlücke zum ersten Mal mit Metall gearbeitet und jetzt ja auch in diesem Bereich eine Stelle gefunden.
 
Wie fühlst du dich in dieser neuen Stelle, wo du 100% arbeitest?
Ich fühle mich fast perfekt (strahlt).
 
Was hat sich verändert, seit du diese Stelle hast?
Ich bin glücklich, ich bin positiv, ich habe gute Laune und viel Kraft.
 
Woher kommt das gute Gefühl?
Es kommt vom Team und von der Arbeit. Manchmal sagt mein Chef, wow, du bist schon fertig, wenn ich eine Arbeit in der Hälfte der Zeit und trotzdem genau erledigt habe. Darauf bin ich stolz. Bei der Arbeit kann ich mich teilweise auch selber organisieren.
 
Seitdem du eine Stelle gefunden hast, seid ihr nicht mehr auf Sozialhilfe angewiesen. Wie ist das für dich?
Mein Leben ist im Moment ruhig und ohne Stress. Vorher musste ich viele Formulare ausfüllen und viel organisieren. Jetzt haben wir ein bisschen mehr Geld zur Verfügung, allerdings muss ich noch alte Krankenkassen-Schulden abzahlen.
 
Unternehmt ihr mehr als früher (Badi, Ausflüge, etc.)?
Ich konnte früher auch in die Badi gehen, aber ich hatte keine Lust, weil mich die Abhängigkeit von der Sozialhilfe frustriert hat. Jetzt habe ich viel mehr Lust Dinge zu machen. Ich wollte unabhängig sein und das Leben selber organisieren und Entscheide fällen, ohne jemanden zu fragen. Da mein Mann auf Stundenlohn arbeitet, bin ich froh, dass ich jeden Monat weiss, mit welchem Geld ich rechnen kann.
 
Wie habt ihr es mit den Kindern organisiert?
Die Kinder kochen selber für sich über Mittag. Ich telefoniere kurz, ob sie zu Hause sind. Meine grosse Tochter hilft ihrer Schwester bei den Aufgaben. Da kann ich mit meinem Deutsch nicht so viel helfen. Obwohl ich viel arbeite, habe ich genug Zeit für die beiden Mädchen. Für die Kinder habe ich immer Zeit und Energie. Das ist mir wichtig.
 
Danke viel mal, dass du dir Zeit genommen hast für dieses Interview!

Das Interview mit Svetlana führte Ruth Bächli, die bei der Marktlücke die Mitarbeiterinnen im Bewerbungscoaching begleitet.

 

Interview mit Eva

 

 

 


Eva ist als Jugendliche in die Schweiz gekommen und hat nach der Schule im Verkauf gearbeitet. Dank dieser Berufserfahrung war sie für unseren Laden an der Schipfe prädestiniert. Im Bewerbungscoaching der Marktlücke hat sie zielgerichtet eine Stelle im Verkauf gesucht — und gefunden. Zudem holt sie zurzeit neben der Arbeit und der Betreuung ihrer Tochter (12 Jahre) den Abschluss als Detailhandelsfachfrau nach.

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Wie war ein normaler Tag in deinem Leben, bevor du in die Marktlücke gekommen bist?
Bevor ich zur Marktlücke kam, habe ich mich sehr viel mit meiner Tochter beschäftigt. Ich war ständig für sie da und habe ausser dem Haushalt nicht mehr viel anderes gemacht. Ich war verheiratet und habe am Abend und am Samstag ein paar Stunden im Dosenbach gearbeitet, weil ich in Kontakt mit Leuten sein wollte.

Als mein Mann und ich uns getrennt haben, wurde ich von der Sozialhilfe abhängig. Ich musste mich plötzlich um alles allein kümmern. Ich musste auch dafür sorgen, dass es meiner Tochter und mir gut geht, obwohl die Situation nicht einfach war.

Weiterhin habe ich eine Stelle gesucht, weil ich nicht so lange von der Sozialhilfe abhängig sein wollte.

Dann bist du in die Marktlücke gekommen...
Ich fand es sehr toll, dass das Programm nur für Frauen mit Kindern ist. Es war sehr passend für mich und es tat gut, wieder in der Arbeitswelt zu sein.

Was hat sich verändert, als du in die Marktlücke gekommen bist?
Es war sehr leicht, mich wohl zu fühlen vmit den Arbeitgeberinnen und den Arbeitskolleginnen. 

Die Umstellung war aber gross, weil meine Tochter davor noch nie in einem Hort war.

Geholfen hat mir, dass ich langsam, mit wenigen Prozenten einsteigen konnte. Auch für meine Tochter war es gut, dass sie sich Schritt für Schritt an die neuen Regeln und das Zusammensein mit anderen Leuten gewöhnen konnte.

Alle zwei Wochen hast du das Bewerbungscoaching der Marktlücke besucht...
Ja genau, und nach einigen Absagen habe ich dann eine Stelle im Verkauf gefunden. Ich arbeite halbtags am Dienstag, Freitag und Samstag. Am Abend arbeite ich manchmal bis 20.00 Uhr. Dies ist nur möglich, weil meine Eltern hier leben.

Am Montag besuche ich die Weiterbildung und bin froh, dass ich im Job den Montag immer frei haben kann.

Wovon konntest du in der Marktlücke profitieren, was dir jetzt im Job etwas nützt?
Der Laden der Marktlücke hat eine ganz andere Kundschaft als an meiner früheren Stelle an der Langstrasse. So habe ich eine neue Art des Bedienens erlernt, mit viel Fachwissen über die Produkte und einer persönlichen Beratung. Man lernt immer etwas dazu.

Was hast du inhaltlich gelernt?
Bei der Marktlücke gab es eine neuere Kasse, die ich bedienen lernte. Es gab auch Ämtli, die aufgeteilt wurden unter den verschiedenen Mitarbeiterinnen und eine klare Organisation. Die gute Ordnung hat mir gefallen.

In der Marktlücke habe ich mit anderen Frauen gearbeitet, die in einer ähnlichen Situation waren und denen es manchmal leider noch schlechter ging als mir. Es war für mich gut zu sehen, dass ich nicht die Einzige bin in einer schwierigen Situation. So habe ich mich nicht komisch oder daneben gefühlt.

Wie fühlst du dich jetzt an der neuen Stelle?
Hier arbeite ich immer allein und habe wenig Kontakt mit den anderen Mitarbeitenden und es gibt wenig Struktur. In der Marktlücke war es familiär und ein sehr warmes Gefühl. Ich wusste genau, was ich zu tun habe und fühlte mich sehr respektiert.

Das Positive an der jetzigen Stelle ist, dass ich Geld verdiene und somit weniger Geld vom Sozialamt brauche — und das ist ein besseres Gefühl.

Hast du mehr Geld als vorher?
Vom Finanziellen her ist es kein grosser Unterschied, aber ich fühle mich freier, weil ich etwas dafür gemacht habe und einen Job habe.

Du bist noch an der SIU (Schweizerisches Institut für Unternehmerschulung) und holst die Ausbildung als Detailhandelsfachfrau nach. Dafür hättest du einen Job in der Textilbranche finden müssen, was leider noch nicht geklappt hat.
Ich suche weiterhin einen Job in der Textilbranche, wo ich 10 Jahre Erfahrung habe. Mit einem Abschluss könnte ich normal leben ohne Sozialhilfe, das wäre das Tollste für mich.

Zu Beginn der neuen Stelle hatte ich Angst, dass ich zu wenig zu Hause sein kann. Nun hat auch mein Kind verstanden, dass es wichtig ist, dass seine Mama auch arbeiten muss. Die Marktlücke war ein guter Übergang, um in die Arbeitswelt zu kommen und sie stärkte mein Gefühl, dass ich etwas kann. Ich fand immer, dass das Team der Marktlücke sehr gut mit mir umgeht, mega schön.

Herzlichen Dank für das Gespräch!
Das Interview mit Eva führte Anna Jäger, Sozialarbeiterin bei der Marktlücke


Brauchen Sie eine motivierte Mitarbeiterin,oder wissen Sie von einer offenen Stelle?

Als Arbeitgeber "ad interim" haben wir die Stärken und die besonderen Fähigkeiten unserer Mitarbeiterinnen kennengelernt. Wir haben also für Sie, als Arbeitgeberin/Arbeitgeber, viel Vorarbeit geleistet und können Ihnen sehr differenziert Auskunft geben. mehr...

Ansprechperson: Christina Dalbert: 044 212 77 27, oder christina.dalbert@markt-luecke.ch